MEMC: ING. GIORGIA D’INCA’, BRIEF AN MEINE ARBEITSKOLLEGEN DER MEMC

Technikerin und Arbeitnehmerin in MEMC MERANBrief an meine Arbeitskollegen, Mitarbeiter der MEMC

Eine paradoxere Situation wie die jetzige hat es in der Geschichte der MEMC noch nie gegeben. Wir waren gerade noch dabei unser Juwel, die neue Polysiliziumanlage fertigzustellen, als im Dezember durch den CEO dessen Schließung anordnet wurde. Motiv: zu hohe Produktionskosten. Ergebnis: 350 Angestellte wurden sofort in die Lohnausgleichskasse überstellt. Die Gewerkschaften liefen Sturm, sogleich wurde eine Versammlung abgehalten und es folgte eine Kundgebung mit Verkehrsblockade. Danach wurde es still um Arbeiter und Abteilungen: alles ist geschlossen…
Die Direktion des Werkes Meran setze sich in Bewegung: aber uns sagt keiner was sie machen. Natürlich benötigen wir in erster Linie Tatsachen und wir warten auf positive Nachrichten. Auch die Provinz reagierte: LR Bizzo und LR Laimer ermuntern, aber wir wissen nicht ob es reichen wird. Es steht vieles auf dem Spiel: 20% der Energieverbrauchs Südtirols, Überarbeitung des Vertrages mit Evonik (Hauptlieferant Merans), 550 Arbeitsplätze und dazu noch die Zulieferer.
Aber was machen wir, deren Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen? Wir verbringen die Feiertage bei unseren Familien und versuchen nicht an das zu denken, was zur Zeit passiert. Die Feiertage sind vorbei, aber die Arbeiter immer noch zuhause, in der Lohnausgleichskasse. Aber wo ist euer Herz geblieben?
Meran ist ein Vorzeigewerk der MEMC. Technisch sind wir einzigartig, anders als die anderen MEMC-Werke, es wird eine spezielle Art von hochdotierten Kristallen produziert, welche für Spezialanwendungen verwendet werden. Hier wird der weltweite Bedarf der MEMC an polykristallinem Silizium hergestellt, welches für elektronische und solare Anwendungen benötigt wird.
Es ist schwierig sich auszumalen, dass die MEMC (ein multinationaler Konzern, die nicht nur Wafer produziert, sondern auch wichtige Sektoren der Elektronik und der erneuerbaren Energie mit polykristallinem Silizium versorgt) sich gerade bei Ihrem Hauptrohstoff von anderen abhängig macht.
In der Vergangenheit hat Meran Möglichkeiten der Expansion verpasst, zum Vorteil der MEMC-Werke in Fernost, die zu weit niedrigeren Preisen produzieren: Wir sind nicht mehr so wichtig wie wir glaubten. Um dies zu sein, müssen wir es wollen.
Wir müssen unsere Einzigartigkeit geltend machen. Die MEMC Meran ist ein Schmelztiegel von Personen, die ihre Resultate aufgrund von Kompetenz, Erfahrung, gutem Willen und Hingabe erreichen. Auch dies macht uns einzigartig: Wir sind nicht nur das was wir machen, sondern auch wie wir es machen. Es ist unser Geist, vom einfachen Arbeiter bis zum Direktor, der den Unterschied macht. Es liegt an uns dies sowohl den Leuten der Provinz als auch im Besonderen unseren Managern in Übersee klar zu machen.
Wir müssen es konstruktiv angehen, das ist nicht einfach. Dass wir arbeiten wollen, wissen alle, dies muss nicht gesagt werden. Sich zu beschweren nützt nichts, besonders jetzt, wo wir am Boden liegen. Wir müssen nun diejenigen unterstützen, die für uns Verträge abschließen, die bis vor einem Monat noch unmöglich erschienen. Auch die Assessoren sind auf unserer Seite, wer weiß wie vielen Hindernissen wir noch begegnen werden bis zur Fertigstellung der Hochspannungsleitung, die wir eigentlich „schon gestern“ gebraucht hätten und welche einige unserer schönen Täler durchqueren wird.
Unsere Provinz hat eine integrierte Wirtschaftspolitik gewählt, zu welcher sowohl Äpfel und Touristen (welche das wundervolle Land genießen in welchem wir leben) als auch die Innovation gehört.
Wir MEMC sind Teil dieser Innovation und wir wollen dies auch weiterhin bleiben. Die Provinz hat dies verstanden. Die Menschen noch nicht.
Wenn ich gefragt werde, was derzeit mit der MEMC passiert, bemerke ich, dass man nicht nur die aktuelle Situation nicht kennt, sondern auch nicht weiß, was wir eigentlich produzieren. Man nimmt uns als graue Fabrik wahr, isoliert von lokalen Gegebenheiten, von welchen wir aber ein integrierender Bestanteil sind, nicht nur weil wir die Häuser unserer Mitbürger heizen (Fernwàrme) müssten.
Auch wenn unser Name auf dem Trikot einiger Sportmannschaften steht und kulturelle Veranstaltungen der Stadt von uns unterstützt werden, ist nun endgültig der Moment gekommen unserer Stimme Gehör zu verschaffen.
Kollegen, es würde mir gefallen, wenn die Plakate, die vor unserer Fabrik hängen, durch Zeichnungen eurer Kinder ersetzt würden, auf denen sie mit Fantasie erklären, was ihre Eltern hier machen.
Bei der nächsten Kundgebung möchte ich, dass eure Kinder gemeinsam mit ihren Eltern (einige haben Vater und Mutter hier) aufmarschieren. Es ist notwendig, dass uns die Menschen unterstuetzen und nicht ignorieren.
Miteinander müssen wir verlangen, dass Konditionen geschaffen werden, die es ermöglichen weiterzumachen und zu bleiben was wir sind: ein Vorzeigemodell innerhalb der MEMC und der Provinz. Dies muss denen klar werden, die uns umgeben. Liebe Kollegen, von den Arbeitern bis zu den Managern: entweder jeder von uns trägt seinen Teil dazu bei oder dieses Schiff wird in dieser stürmischen See untergehen.

Ing. Giorgia D’Incà
New Products Supervisor, Merano Singlecrystal

10 Jan 2012

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